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Die revolutionären Kräfte

 

„Links, links, links, links – der Rote Wedding marschiert“, schallte es in der Weimarer Republik durch die Straßen des Bezirks. Viele Orte im Wedding sind eng mit dem Aufstieg der Arbeiter*innenbewegung verbunden. Hier kam die SPD in Festsälen oder im Humboldthain zusammen, die KPD richtete 1932 im Restaurant Pharus-Säle in der Müllerstraße 142 ihren Parteitag aus. Der Wedding war eine Hochburg beider Parteien. Doch Reformpolitiker waren keine Revolutionäre – und andersherum. Die Idee der Einheitsfront, die Sozialist*innen und Kommunist*innen zur gemeinsamen Kraft vereinen wollte, scheiterte.

Kinderheim Offene Tür

Jugendheim See- Ecke Turiner Straße 

Wärmehalle Lütticher Straße 8

Aufnahmen aus einem Fotoalbum zur offiziellen Selbstdarstellung des Bezirksamts Wedding 1928

Fotograf: Georg Wilke (Reproduktionen)

Carl Leid (1867–1935)

1921–1933 Bürgermeister des Bezirks Wedding Fotograf: Georg Wilke (Reproduktion)

 

Der Reformorientierte Carl Leid war im Handwerk ausgebildet, und er war bereits über dreißig Jahre in der SPD aktiv gewesen, als er 1920 zum ersten Bürgermeister des Bezirks Wedding gewählt wurde. Die später von Henri Lefebvre formulierte Idee vom Recht auf Stadt ist in Leids Kommunalpolitik bereits erkennbar. Seine Partei setzte sich dafür ein, dass Arbeiterfamilien ein würdevolles Leben in der von Wachstum und Armut geprägten Metropole führten. Nun entstanden Reformschulen und medizinische Beratungsstellen, eine Obdachlosenfürsorge wurde aufgebaut. Carl Leid und seine Genoss*innen erkannten, dass die Probleme von Arbeiter*innen am besten auf kommunaler Ebene zu lösen waren.

„Das Massenelend tritt hier im stärksten in Erscheinung. Wer, wie ich, seit mehr denn 26 Jahren in diesem Bezirk lebt und aus den breiten Massen hervorgegangen ist, der fühlt den Pulsschlag des gequälten Volkes und ist von dem Entschluss beseelt, zu bessern, zu helfen und auch grundsätzlich zu ändern.“

Carl Leid 1921