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Was sucht die Natur in der Stadt?
Die Promenade
Nach den Zerstörungen Berlins im Zweiten Weltkrieg waren viele Bauprojekte um eine neue Ausgewogenheit von freien und bebauten Flächen bemüht. Inmitten dichter Großstadtbebauung wurden endlich auch Erholungsgebiete geplant. Um die Begrünung des Wedding hat sich vor allem der Architekt Walter Nicklitz verdient gemacht. Er setzte als Baustadtrat seit 1951 auf Renaturierung, baute eine Promenade an der Panke. An Straßen und in Parks des alten Arbeiterbezirks ließ Nicklitz 10.000 neue Bäume pflanzen.
Walter Nicklitz sah seine Aufgabe darin, die Visionen der Pioniere des modernen Städtebaus im Wedding zu verwirklichen. Stets war ihm eine visuelle Dokumentation wichtig. So sollten seine städteplanerischen Maßnahmen überregional wahrgenommen werden, was ihm auch gelang.
Bereichskarte aus Loseblattsammlung Wedding im Grünen. Planunterlagen, 1955/1956, vermessen und gezeichnet von Gerhard Croon, Gartenbaurat im Bezirksamt Wedding.
Maßstab 1:1000, Buntstift über Blaupause
Übernommen vom Gartenbauamt Wedding nach 1975
Wie entsteht eine Vergnügungsmeile?
Die Badstraße
Nirgendwo im Wedding ist Stadtwandel so geballt wahrnehmbar wie an der Badstraße. Einst als höfischer Zubringer zum Heilbad gebaut, zog die Straße seit Mitte des 19. Jahrhunderts ein breiteres Publikum an.
Festsäle, Biergärten und Sommertheater hielten Einzug. Die Lichtburg am Gesundbrunnen war in den 1920ern mit über 2.000 Plätzen eines der größten Kinos Berlins. Die immer weiterwachsende Stadt schuf sich in ihren Vorstädten neuartige Funktionsräume. An der Badstraße stand das Vergnügen im Vordergrund.
Blick in die Badstraße von der Stadtbahnbrücke stadtauswärts: Wie Werbeschriftzüge von Brauereien erkennen lassen, siedelten sich an der Straße unterschiedlichste Vergnügungsstätten an.
Verlag S. und G. Saulsohn, Berlin, gelaufen 1900 (Reproduktion)
Ballschmieders Etablissement, Badstraße 15a
Ansichtskarten von Vergnügungslokalen in der Badstraße, vertrieben durch die Berliner Verlage Alfred Cohn, Hartwig & Vogel’s Automaten A.G., Gustav Roggenbau, O. Wandl und durch den Verlag Stengel & Co. in Dresden, gelaufen von 1900 bis 1931
Schenkungen: Anton Schnellbacher 1991, Klaus Lange 1993 und Hans Graefer 1995
Kastanienwäldchen, Badstraße 16
Rose-Theater, Badstraße 22
Marienbad, Badstraße 35/36
Niekes Sommer-Theater, Badstraße 35
Zum Schultheiss, Badstraße 66
Voigt-Theater, Badstraße 58
Eröffnet 1929, steht das Kino Lichtburg sinnbildlich für Berlin als Elektropolis der damaligen Zeit. Rudolf Fränkel entwarf es als Lichtkörper, der den städtischen Nachtraum beleuchtete. Es fiel all jenen sofort ins Auge, die die Bahnhofshalle Gesundbrunnen verließen.
Lichtburg, neuer U-Bahnhof, Apollo-Verlag 1933 Erworben von Hans Graefer 1990 (Reproduktion)