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Woher kommen die ersten Siedler*innen?

Die Kolonistenhäuser

Eine gezielte Bevölkerungspolitik veränderte den Wedding nachhaltig. 1782 ließ König Friedrich II. nordöstlich der Panke eine Kolonie anlegen und warb dafür Bauern aus dem Ausland an. Sie sollten die Residenzstadt mit landwirtschaftlichen Produkten versorgen. Die Zugewanderten stammten aus dem Voigtland und aus Böhmen. Rasch entstand durch ihre Sprachen und Traditionen eine kulturell diverse Gemeinschaft. Noch immer war der Nordwesten Berlins nur dünn besiedelt.

Das Haus von 1782 in der Koloniestraße 57 war eins von mehreren

sogenannten Kolonistenhäusern auf dem Gesundbrunnen. Es ist heute

das älteste Bauwerk im Ortsteil und steht unter Denkmalschutz.

 

Heinz Schneider, Ältestes Haus im Wedding, Haus Koloniestraße 57

1993, Gouache auf Papier

Leihgabe: Weddinger Heimatverein e.V.

„Demnach Seine Königliche Majestät von Preußen, unser allergnädigster Herr, in höchsten Gnaden resolvieret, zu stärkerer Betreibung des Obstbaues

in verschiedenen Gegenden bei Berlin Gärtner-Familien zu etablieren, und zu diesen Etablissements auf Königl. Kosten die Wohnhäuser erbauet, auf Grund und Boden aber die Plätze zu Gärten angewiesen, so ist dem Kolonisten und Gärtner Johann Philipp Sorg das Etablissement Nr. 21 beim Gesundbrunnen bestehend in einem Wohnhause nach beigefügtem Inventario, und in einem Platz zu Hof und Garten von fünf Morgen Land, der Morgen zu einhundert und achtzig Quadrad-Ruthen nach rheinländischem Maaße gerechnet, mit folgenden Conditionen übereignet worden.

 

Auch sollen ihm zur Anpflanzung des Gartens vier Schock* Obstbäume in Natura, oder wenn er sich solche anschafft und gepflanzt hat, pro Schock fünf Thaler bezahlet werden.“

 

Geschehen Berlin den 9. Januar 1784 Präsident, Bürgermeister und Rath.

Philippi. Ransleben. Wackenroder. Buchholz.

 

aus dem Grundbrief der 21. Kolonie bei Gesundbrunnen, 1784

* 1 Schock = 60 Obstbäume

 

Modell des Zweigs eines Apfelbaums, Kunststoff, erworben 2021