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Wofür braucht es eine Kirche?
Die Vorstadtkirche St. Paul
Im frühen 19. Jahrhundert wuchs im Wedding die Bevölkerung, ohne dass sich bereits eine städtische Infrastruktur ausgebildet hatte. Die Folge waren soziale Nöte, die Machtverhältnisse destabilisieren konnten. In den 1830ern gab Friedrich Wilhelm III. den Bau von vier sogenannten Vorstadtkirchen in Auftrag. Er zielte darauf ab, Anlaufstellen für die lokale Bevölkerung zu schaffen. Gemeindearbeit und protestantische Frömmigkeit sollten aufkommende Konflikte befrieden. Die erste Kirche in der Gegend am Gesundbrunnen war daher auch ein sozialpolitisches Instrument.
Die Kirche St. Paul, deren Gestalt an einen antiken Tempel erinnert, entsprach dem Stilprogramm des Architekten Karl Friedrich Schinkel, das er in enger Abstimmung mit König Friedrich Wilhelm III. für die vier Vorstadtkirchen am nördlichen Berliner Stadtrand entwickelte. Die Kirche erhielt erst 1890 einen Turm.
Die St. Pauls Kirche, lithographiert von L. Bergold nach einer Zeichnung von Ferdinand Bellermann 1836
Frontispiz des Buchs Die St. Paulsgemeinde vor Berlin von Christian Friedrich Bellermann, Berlin 1836
(Reproduktion)