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Linoleumteppich
Der Teppich befand sich stets im selben Haushalt, bevor er ins Museum kam, und war von einer selbstbewussten Arbeiterfamilie seit den 1920er Jahren geliebter Einrichtungsgegenstand. Arthur Vogt, der erste Besitzer, war Mitglied der KPD und Abgeordneter im Reichstag. 1945 wurde es stellvertretender Bürgermeister im Bezirk Wedding, wo er, mit Familie und Teppich, auch wohnte. Die Idee eines handgearbeiteten Teppichs als Attribut bürgerlicher Wohnkultur spiegelt sich allein im Dekor. Die kühle Haptik des Industrieprodukts widerspricht den Eigenschaften eines solchen Stücks deutlich. Doch dies wurde nicht als störend empfunden. Linoleum, eine englische Erfindung des 19. Jahrhunderts, galt schnell als ein hygienisches und modernes Material.
Teppich, aus dem Haushalt von Arthur Vogt (1894-1964)
Germania Linoleumwerke AG (Bietigheim)
Inlaid-Linoleum, ca. 1925
Schenkung: Irene Wüste an das Heimatwuseum Wedding 1995
Porzellanmarken
Markenkopien kamen im 19. Jahrhundert unter den manufakturen und Fabriken immer wieder vor. Die Hersteller reagierten darauf mit Änderungen ihrer Marken. Die herausragende Stellung der KPM als Luxusmarke führte vielerorts in Deutschland - so auch in Moabit - zu Markenkopie und Markenähnllichkeit. Das betrifft die sogenannten Pfennigmarken der Firmen Schumann, Schomburg und Schmidt, die sich zeitweise untereinander nur in Details unterschieden. Die vielfach "verwaschene" Stempelung kam dem entgegen. Erst 1874 wurde per Gesetz ein Markenschutz eingeführt.
Königliche Gesundheits-Geschirr-Manufaktur (KGM)
Die KGM wurde 1818 als Ableger der KPM am Charlottenburger Spreeufer gegründet. Eine Besonderheit war die ungiftige bleifreie Glasur. Hinzu kam ein geringerer Anteil an Kaolin in der Prozellanmasse, der die Erzeugnisse preiswerter, jedoch weniger haltbar machte: der Grund dafür, dass nur wenige Stücke erhalten sind. Um sich vom Sortiment der KPM abzugrenzen, produzierte die KGM anfänglich Pfeifenköpfe, Apotheken- und Gebrauchsporzellan. Später kamen handbemalte Einzelstücke wie Freundschafts- und Andenkentassen sowie Kuchenkörbe hinzu. Zunehmende Konkurrenz zahlreicher Privatbetriebe in den 1840er Jahren machte ein Verkauf der KGM unabwendbar. 186 ließ sich die Schließung nicht mehr verhindert.
Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM)
Mit dem Kauf der Porzellanmanufaktur von Johann Ernst Gotzowsky 1763 durch König Friedrich II. vollzog sich der Wechsel von einer bürgerlichen zu der Berliner "Königlichen Porzellan-Manufaktur". Bis zur Einführung der Gewerbefreiheit 1810 besaß sie das Monopol zur Porzellanherstellung in Preußen. Die KPM hatte mit der Gründung der Prozellanfabrik Schumann 1832 zeitweise einen starken Konkurrenten, der u.a. mit der Einführung des Glanzgoldes preiswerter war und Stilwechsel schneller bedienen konnte. Die handbemalten Erzeugnisse des Moabiter Privatbetriebs erreichten jedoch nicht die Qualität der KPM-Porzellane. 1872 bezog die KPM ihr neues Domizil in Berlin-Tiergarten, wo sie noch heute ihren Sitz hat.
"Moabiter Baroque Form"
Gewachsenes Selbstbewusstsein der Porzellanmanufaktur Schumann ist an dem Form- und Dekorentwurf "Moabiter Baroque Form" ablesbar. Die Reliefbordüre "Moabiter Kante" wurde in Blau oder Grün angeboten, jeweils kombiniert mit Goldbemalung. Diese Service etablierten sich zum erfolgreichen Markenzeichen Schumanns. Selbst die KPM und Manufakturen wie Krister, Carl Tiesch & Co. oder die Ilmenauer Porzellanfabrik haben die charakteristische Reliefbordüre kopiert. Auch die Manufaktur Fürstenberg brachte in Anlehnung daran ein Kaffee- und Teeservice "Moabiter Form" heraus. Relief und Form überdauerten das Bestehen der Manufaktur Schumann bis in das 20. Jahrhundert.
Porzellan-Manufactur von H. Schomburg & Söhne
1853 gründete Carl Schomburg (1809-1867), zuvor Porzellanmaler der Porzellanfabrik Schumann, mit seinen Söhnen Rudolph und Heinrich eine Fabrik, die sich auf Elektroporzellan als neue Sparte spezialisierte. Für die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neuen Telegrafen- und Hochspannungsleitungen bewährten sich Isolatoren und viele Zusatzteile aus "Hartfeuer-Porzellan". Schomburg stellte sie für die industrielle Nutzung der Elektrizität und der Elektrifizierung Berlins bereit und lieferte bald in alle Kontinente. 1903 wurde der Moabiter Betrieb eingestellt und als "Berliner Porzellanmanufaktur Conrad, Schomburg & Co" nach Teltow verlegt.
Porzellanmanufaktur L. H. A. Schmidt
Als kleinste Porzellanfabrik in Moabit gründete Louis Heinrich Anton Schmidt zusammen mit seinem Bruder Robert 1855 ein nach ihm benanntes Unternehmen. Beide waren ursprünglich Modelleure und Maler der benachbarten Porzellanfabrik Schumann. Ihre nur 31 Jahre lang bestehende Fabrik stellte Haushaltsporzellan (Vorratsgefäße, Siebe, Trichter etc. als Weißware) aber auch Zierporzellan her, das teilweise nach Modellen von Schumann gegossen wurde. In den Verkauf gelangte auch "Ausschußware" mit Brandfehlern. 1866 wurde die Firma an Gebrüder Opdenhoff verkauft. Ein Großbrand zerstörte die Fabrik 1886. Heute sind nur wenige der vielgenutzten Stücke erhalten.
Materialwechsel
Die Eignung zur Massenproduktion aber auch seine hygienischen Eigenschaften als Labor-, Apotheken- und Haushaltsporzellan machten den Werkstoff noch weit in das 20. Jahrhundert hinein zu einem vielseitig eingesetzten Material. Neuaufkommende, preiswertere und stabilere Materialien wie Aluminium und Kunststoffe traten zunehmend an dessen Stelle. Ausgenommen sind davon bis heute u.a. Bügelverschlüsse für Saft- und Bierflaschen. Im Zuge der Rückbesinnung auf die Nachhaltigkeit der Warenwelt erfährt Porzellan aktuell eine neue Wertschätzung. Hersteller entscheiden sich wieder für die unverwechselbaren Qualitäten dieses bewährten Materials.
Glanzgold
Der Porzellanmaler und spätere Porzellanfabrikant Carl Schomburg übergab ein Glanzgoldverfahren - die "Berliner Goldflüssigkeit" - an die Firma Schumann. Ein 1839 geschlossener Vertrag verpflichtete ihn, diese Glanzvergoldung nur dort einzusetzen. Die Vertragsdauer war auf die Lebenszeit von Friedrich Adolpg Schumann festgelegt, der 1851 starb. Schimburgs Erfindung hatte gegenüber Poliergold den Vorteil, dass die Objekte nach dem Brand nicht mehr poliert werden mussten. Das Glanzgold war im Verbrauch günstiger als herkömmliche Verfahren und führte zu wirtschaftlichem Aufschwung und Bekanntheit der Manufaktur Schumann. Vergoldung als sichtbarer Luxus wurde erst durch dieses Verfahren für das Bürgertum erschwinglich.
Porzellanmanufaktur F. A. Schumann
1832 gründete Friedrich Adolph Schumann (1801-1851) die erste private Porzellanfabrik Berlins, die zugleich der erste Moabiter Industriebetrieb war. Gebrauchs- und Zierporzellane für das Bürgertum wurden bis Schumanns Tod 1851 umsatzstark und auch für den weltweiten Export produziert. Die Firma bot ein vielfältiges Porzellansortiment "nach neuestem Geschmack" an, darunter ganze Service oder beliebte Einzelteile wie sogenannte Kuchenkörbe. Mit ihren verhältnismäß presiwerten Erzeugnissen in guter Qualität machten sie der Königlichen Porzellen-Manufaktur Berlin Konkurrenz.
Modellübernahme
Zwischen den Moabiter Porzellanfabriken gab es offensichtlich tolerierte Modellübernahmen und -absprachen. So existieren von einem Kuchenkorb zwei Varianten: Während bei Schumann das Modell feiner, mit mehreren Durchbrüchen und aufwendiger Malerei auf einem plastisch geformten Zweiggeflecht und in Dekorvarianten hergestellt wurde, weist das weniger feine Stück von Schmidt nur Durchbrüche am Rand auf. Dort ist die Gestaltung gröber und verzichtet ganz auf Bemalung (Weißware). Produktionsbedingte Fehler wie Brandrisse oder schwarze Brandflecke stellten damals kein Verkaufshindernis dar. Die Nachfrage an Zierporzellan war groß genug.
Objektunterschriften
Obere rechte Ecke
Stützisolator ca. 1949-1990
Übernommen vor 2004
15 Isolierrollen zur Führung elektrischer Drähte
Porzellan-Manufaktur von H. Schomburg & Söhne
Ca. 1900
Eingang in das Heimatmuseum Tiergarten 1997-1997
Untere rechte Ecke
Scherbe
Porzellanmanufaktur F. A. Schumann
1864-1880
Eingang in das Heimatmuseum Tiergaten 1992-1994
Untere linke Ecke
Grabstein für Walter Würfel
Porzellanmanufaktur L. H. A. Schmidt und Grabsteinfabrik A. Milius, Stromstraße 4, Berlin Moabit
1885
Erworben im Kunsthandel vom Heimatmuseum Tiergarten 1992
13 Nummernschilder
Porzellan-Manufactur von H. Schomburg & Söhne
1853-1903
Eingang in das Heimatmuseum Tiergarten 1995-1997
21 Isolierrollen zur Führung elektrischer Drähte
Porzellan-Manufactur von H. Schomburg & Söhne
Ca. 1900
Eingang in das Heimatmuseum Tiergarten 1995-1997
Obere linke Ecke
Kuchenkorb mit Zweiggeflecht und durchbrochener Wandung
Porzellanmanufaktur F. A. Schumann
1845-1851
Schenkung: Ernst Freiberger an das Heimatmuseum Tiergarten 1995
Kuchenkorb in Weiß mit durchbrochener Wandung
Porzellanmanufaktur L. H. A. Schmidt
1863-1886
Erworben im Kunsthandel 2020
Eine Steckdose, zwei elektrische Stöpsel, drei Schalter, vier Brennerköpfe für Argandbrenner, fünf elektrische Sicherungen
Porzellan-Manufactur von H. Schomburg & Söhne
Ca. 1900
Eingang in das Heimatmuseum Tiergarten 1995-1997
Tischmitte
Kanne und Decke "Koralle" für Brüh- und Kochmaschine
Porzellanmanufaktur F. A. Schumann
1845-1851
Erworben im Kunsthandel vom Heimatmuseum Tiergarten 1991
Teekann und Deckel "Moabiter baroque Form"
Porzellanmanufaktur F. A. Schumann
1861-1863
Schenkung: Herbert Meinke an das Heimatmuseum Tiergarten 1999
Aufsatzhieb und und Siebeinsatz "Koralle" für Brüh- und Kochmaschine
Porzellanmanufaktur F. A. Schumann
1845-1851
Erworben im Kunsthandel vom Heimatmuseum Tiergarten 1991
Sahnekanne "Koralle"
Porzellanmanufaktur F. A. Schumann
1861-1863
Erworben im Kunsthandel vom Heimatmuseum Tiergarten 1991
Tasse und Untertasse "Moabiter baroque Form"
Porzellanmanufaktur F. A. Schumann
1864-1880
Schenkung: Herbert Meinke an das Heimatmuseum Tiergarten 1999
Tasse und Untertasse "Moabiter baroque Form"
Porzellanmanufaktur F. A. Schumann
1864-1880
Schenkung: Herbert Meinke an das Heimatmuseum Tiergarten 1999
Tasse und Untertasse "Koralle"
Porzellanmanufaktur F. A. Schumann
1864-1880
Schenkung: Eva Neumann an das Heimatmuseum Tiergarten 1993
Tasse und Untertasse "Moabiter baroque Form"
Porzellanmanufaktur F. A. Schumann
1864-1880
Schenkung: Herbert Meinke an das Heimatmuseum Tiergarten 1999
Sahnekanne "Moabiter baroque Form"
Porzellanmanufaktur F. A. Schumann
1864-1880
Schenkung: Herbert Meinke an das Heimatmuseum Tiergarten 1999
Kaffeekanne und Deckel "Moabiter baroque Form"
Porzellanmanufaktur F. A. Schumann
1861-1863
Schenkung: Herbert Meinke an das Heimatmuseum Tiergarten 1999
Tafelleuchter "Moabiter baroque Form"
Porzellanmanufaktur F. A. Schumann
1845-1851
Schenkung: Angelika Durieux und Dagmar Seyfried an das Heimatmuseum Tiergarten vor 1994